Startseite

Congress, Also Works For Kids

Der Dezember war voller Termine und Dinge, die unbedingt noch erledigt werden müssen. Zeit und Muse für neue Blogartikel gab es bei mir die letzten Wochen nicht. Aber immerhin ist der erste Artikel des neuen Jahres einer, der mir wirklich etwas unter den Nägeln brennt. Ich habe nämlich, in Abwesenheit der tollsten Frau der Welt, beschlossen, dass unser Töchterchen in einigen Jahren regelmäßig mit mir verreisen wird. Ganze fünf oder sechs Tage. Und immer zwischen den Jahren. Losgehen wird es immer genau am zweiten Weihnachtsfeiertag. Jedes Jahr werden wir beide dann die Rucksäcke packen und in eine fremde Stadt aufbrechen. Abends werden wir dann, viel zu rauchige Kräuterlimonade schlürfend, durch dunkle Hallen mit vielen bunten Lichtern wandeln. Die folgenden Tage werden wir beide bis zum Morgengrauen wach bleiben. So lange, bis wir, vollbeladen mit Stickern, todmüde in unsere Betten fallen. Und das Verrückte daran: Ich wage zu behaupten, dass die tollste Frau der Welt das sogar ganz toll finden wird

Chaos Computer Congress

Ich fürchte, ich muss nun langsam mal erklären, über was ich hier schreibe. Was ist das überhaupt, dieser komische Chaos Congress von dem alle reden? Jetzt ist es dummerweise gar nicht so leicht zu beschreiben, was der C3 eigentlich ist. Im Prinzip ist es ein Treffen der europäischen Hacker-Community und deren Artverwandten. Mich zogen immer die technischen Themen zum CCC. Hand aufs Herz, selbst heute lasse ich den alten Bundesdatenschutzbeauftragen links liegen, wenn zeitgleich jemand einen Talk darüber hält, wie er die Verschlüsselung der Downstreams der ersten iranischen Satelliten knackte. Lustiges Detail dazu: Es war der immerselbe Koran-Vers, den die Iraner da für Millionen Dollar aus dem Weltall auf die Erde funkten

Neben den Vorträgen geht es oft einfach darum, sich mal wieder zu treffen und um den Austausch mit alten Bekannten. Daneben lassen sich neue Ideen, vielversprechende Ansätze und innovative Lösungen zu alten Problemstellungen aufschnappen. In den mategeschwängerten Nächten wird oft viel ausprobiert und entwickelt. Ich saß schon mit einem Entwickler zusammen, dessen Software ich einsetze und habe neue Features implementiert. Vorher hatte ich ihn nie gesehen. Dieses Jahr habe ich meinen Server vollständig neu aufgesetzt, einen neuen (Hipster ) Webserver eingerichtet und diverse schon lange überfällige Technik ToDos abgearbeitet. Als ein Problem aufkam, bin ich einfach zur entsprechenden Assembly gegangen. Keine drei Minuten später hatte ich jemanden gefunden, der sich auskannte. Eine Stunde später hatten wir das Problem zusammen gelöst und ich wieder etwas gelernt.

Daneben gibt es natürlich noch jede Menge Metathemen rund um die Technik. Der Podcaster-Bereich erfreut sich seit drei Jahren wachsender Beliebtheit. Die Themenfelder Datenschutz und Sicherheitspolitik sind ohnehin seit jeher feste Größen auf dem Congress. Wer sich etwas auskennt, hat auf dem Congress auch mal die Gelegenheit, mit Bundestagsabgeordneten oder Mitgliedern des Europaparlaments einen Mate zu trinken. Es ist also mehr als einfach nur Technik auf dem Congress.

Kinder auf dem 33C3

Seit ein paar Jahren beobachte ich nun schon, dass immer mehr Kinder auf dem Congress sind. Zugegeben, auch ich habe vor ein paar Jahren noch den Kopf geschüttelt. Was wollen Kinder denn auf dem Congress? Für die ist das doch stinklangweilig dort, dachte ich. Das war, bevor ich selbst Papa wurde. Dieses Jahr war ich tatsächlich ab und an auf dem Kidspace des 33C3. Ja, ich bin echt spießig geworden und interessiere mich jetzt ganz offiziell wirklich brennend für solchen Kinderkram .

Im Kidspace rasten einige Zwerge mit Bobbycars über eine ganze Etage des Hamburger CCHs. In allen Ecken fanden irgendwelche Basteleien statt. Zwischen all dem Treiben muss ich gestehen, dass mir die späte Einsicht kam. Eigentlich ist der Congress sogar der perfekte Ort für Kinder. Und wer könnte das besser wissen, als die Kinder selbst? Danke an Lamia und ihre Tochter für das tolle Video. Besser könnte ich es auch nicht beschreiben…

Gibt es einen besseren Ort, an dem mich meine Tochter später mal auslachen kann, wenn ich ihr zeige, welche Super Nintendo Spiele wir früher so gespielt haben? Wo sonst lernt sie einen bewussten Umgang mit Medien und Technik? So ein TV-b-gone Stick macht jede Menge Spaß im Elektrofachhandel um die Ecke . Daneben zeigt direkt auch die Verantwortung auf, die mit dem Einsatz von Technik immer verbunden ist. Der Congress ist Technikphilosophie und Medienkompetenz zum Anfassen - und das auf eine enorm spielerische Weise.

Es gibt aber auch den ganz klassischen Kinderspaß: Massenweise Duplo zum Bauen gigantischer Türme, ein rieeeesiges Straßennetz zum Abfahren (samt Tunnel!), Technikbasteleien wie Lichtmalen, Vibrobots oder Pixln. Ganz besonders cool ist übrigens die Augmented Reality Sandbox. Endlich mal richtig Matschen ohne dreckig zu werden. Im Hackcenter können dann nach Herzenslust die neusten Spielereien wie alte Flipper-Automaten, kunterbunte Licht-Installationen, Lasercutter, 3D Drucker und computergesteuerte Nähmaschinen ausprobiert werden. Unter fachkundiger Anleitung versteht sich. Aber die ist in der Regel mehr als bereit für einen Mate sämtliche Fragen ausführlichst zu beantworten. Oder aber ältere Kids rotten sich zusammen, kapern die elterlichen Laptops und eine der vielen Couches im Foyer um in Minecraft neue Welten zu erbauen.

Jedes Jahr scheinen neue Ideen in den Kidspace einzufließen. So haben auch die Kleinsten ihren festen Platz auf dem Congress gefunden. Vor ein paar Jahren habe ich keinen Gedanken an Kinder auf dem Congress verschwendet. Heute aber, ja da würde ich mich unheimlich freuen, wenn auch meine Tochter in ein paar Jahren dort mit den anderen Kindern herumtoben würde. Der Congress ist der perfekte Rahmen, um Kindern den Umgang mit Technik beizubringen. Denn Hand aufs Herz, auch wir Erwachsenen sind nur dort um zu Spielen. Darin unterscheiden wir uns von den Zwergen im Kidspace tatsächlich kaum. Darum kann ich auch den Jungs von Methodisch Inkorrekt nur vollständig zustimmen.