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Babys erste Erkältung

Eigentlich war es gar nichts Wildes. Es war einfach nur eine Erkältung. Unsere Welt hat es dennoch für fast eine Woche auf den Kopf gestellt. Die schlaflosen Nächte stecken uns noch immer in den Knochen. Ein erkältetes Baby ist eigentlich nicht schlimm, sondern eher Alltag. Und trotzdem hat die erste Erkältung unseres Töchterchens das Familienleben vollständig aus den Angeln gehoben. Aber ganz der Reihe nach.

Um ehrlich zu sein weiß ich gar nicht, wie es genau angefangen hat. Ein kleiner Huster hier, ein bisschen Rotz da. Alles nichts Neues, denn etwas gekränkelt hatte das Töchterchen schon einmal. Allerdings war das genau einen einzigen Tag lang. Danach war es so schnell vorbei wie es kam. Alles super damals, kein Grund zur Panik. Diesmal ging es aber nicht so schnell weg. Sondern es wuchs. Es wuchs an, zu einer richtig derben Erkältung. Ach, was sage ich … es war keine gewöhnliche Erkältung, es war eine knallharte Männergrippe, die sich unser wunderbares Kind da zugezogen hatte

Erkältung und Babys

So eine Rotzenase und Husten ist für Kleinkinder nichts sonderlich heftiges. Natürlich ist es unschön und nicht toll. Aber immerhin helfen da die üblichen Hausmittel wie Zitronensaft, viel Trinken, Suppe und derartiges. In den Kitas und Kindergärten der Welt ist so eine Erkältung ja eher Alltag. Diese Brutstätten der Bakterien und Viren sind ja bekanntlich der Himmel auf Erden für jeden Virologen und Immunforscher. Bei Babys aber beutetet eine Erkältung eine heftige Einschränkung. Nicht, weil sie dieses Schlappheitsgefühl ebenso wenig zu mögen scheinen, wie wir Erwachsenen. Auch nicht, weil eine Erkältung bei Babys oft direkt in eine Mittelohrentzündung übergeht. Selbst der ständige Husten ist nicht das Hauptproblem. Es ist schlicht und einfach die banalste Sache der Welt, die unser Leben mit dem kranken Baby zu einem Drahtseilakt machte: Die verfluchte verstopfe Nase.

Sobald die Nase zu war ging bei uns gar nichts mehr. Trinken war nicht angesagt - weder aus dem Fläschchen noch beim Stillen. Das Krabbeln war doppelt-anstrengend und die Kräfte ließen im Allgemeinen einfach schneller nach. Das führte zu Frust beim Töchterchen. Irgendwie war einfach alles sofort drei Nummern schwerer sobald die Nase dicht war. Selbst das Schlafen war nicht mehr so einfach wie es unser Baby gewohnt war. Noch ein Grund sich aufzuregen. Das übliche Erkältungsgefühl tat dann sein Übriges um das kleine Wesen super-sensibel und leicht reizbar zu machen.

Ab diesem Punkt dröhnte statt lustigen Zombielauten ein ultralautes Geschrei aus unserer Wohnung. Sie hat noch nie in ihrem Leben so viel und so laut geschrien wie in den letzten drei Tagen (und Nächten). Unglaublich, was so eine kleine Lunge alles produzieren kann. Blöderweise wird so ein Babyschreien sehr schnell, sehr irrational und geht in einen kleinen Wutausbruch über. Dann hilft hier eigentlich nur noch Ablenken in Form von Rausgehen und Spazierengehen. Auf die Idee bin ich im Stress leider erst gar nicht gekommen. Und so hat sich unser Kind an einem Abend doch tatsächlich wütend und um sich schlagend auf meinem Arm in den Schlaf geschrien. Die tollste Frau der Welt musste aus dem Zimmer gehen, weil sie es nicht mitansehen konnte

Gegenmaßnahmen

Der Feind war also erkannt. Es war die Erkältung und um die zu besiegen mussten wir zu aller erst die Nase zurückerobern. Also wurde ein Schlachtplan erstellt und fiese Finten ersonnen, um den Bösewichten einzuheizen. Unsere militärischen Operationen waren wie folgt geplant:

  1. Aktenordner unter die Matratze gelegt um ihren Kopf beim Schlafen hoch zu lagern. Das sollte der Kleinen etwas den Husten nehmen, von dem sie immer und immer wieder aufwachte. Bei Babys ist die Luftröhre noch weiter hinten als bei größeren Kindern und Erwachsenen. Damit fließt oft mehr Schleim in sie statt in die Speiseröhre und das führt wiederum zu Husten.
  2. Heißes Wasser in die Badewanne laufen lassen um die Luft im Bad anzufeuchten und ihr damit das Atmen zu erleichtern. Der Schleim in der Nase sollte sich so verflüssigen und unseren ersten Sieg gegen gegen die Krankheit garantieren.
  3. Wäsche waschen und aufhängen um für eine höhere Luftfeuchtigkeit in der Wohnung zu sorgen und so die Verflüssigung des Schleims zu fördern. An diesem Abend wurden sämtliche Decken und Handtücher konfisziert und mal wieder durch die Waschmaschine gejagt.
  4. Zwiebeln ans Bett legen um von deren abschwellenden Dämpfen zu profitieren. Schließlich wollten wir die Nase auch freihalten und Zwiebeln sollen dabei wahre Wunder wirken.
  5. Engelwurzbalsam auf die Nasenflügel des Babys schmieren um so mit geballter Pflanzenpower die Nase freizumachen. Ätherische Öle oder gar Tigerbalsam sind noch eine Nummer zu hart für die Kleinsten. Also haben wir unserer Stamm-Apotheke vertraut.
  6. Als Notfallplan hatten wir Nasovin Nasentropfen extra für Babys bereitliegen. Sollte abschwellend wirken, sagte man uns. Hustensaft wollten wir nicht, denn wir fanden, dass der Schleim das eigentliche Problem war und der Husten fördert den Kram ja aus der Luftröhre hinaus. Damit ist er, so weh er auch tut, grundsätzlich förderlich.
  7. Nasensauger bereit gelegt. Über das Ding hatten wir uns noch drei Wochen vorher lustig gemacht. Wer braucht denn sowas? Is ja eklig, dem Baby so den Rotz rauszuziehen., haben wir gewitzelt. Jetzt waren wir selbst Besitzer eines solchen Teils. So schnell können sich Perspektiven ändern

Mit diesen Waffen stürzten wir uns in den Kampf. Die Badewanne und die Wäsche halfen etwas. Der Rotz floss besonders im Bad in Strömen. Aber der Feind hatte erstaunlich gute Nachschubwege und immer mehr seiner Soldaten stürzten sich die Nase herab. Den Engelwurzbalsam konnten wir trotz einiger Gegenwehr des Töchterchens an den Nasenflügeln anbringen. Wirklich geholfen hat er aber erst, als wir ihn uns auf den Hals schmierten und unser Babys so beim Tragen die Kräuter einatmen konnte. Auch der Aktenordner wurde vom Töchterchen anfangs radikal zurückgewiesen. Lieber wachte sie auf als ihre gewohnte Schlafposition zu verlassen. Das war ein harter Rückschlag für unseren Schlachtplan, aber wir legten sie immer und immer wieder hin, nachdem wir sie in den Schlaf getragen hatten. Irgendwann akzeptierte sie das leicht erhöhte Kopfteil und tatsächlich hatten wir das Gefühl, dass der Ordner etwas half und sie weniger oft im Schlaf husten musste.

Die richtigen Fehlschläge waren aber die Zwiebel und das Nasovin. Das Töchterchen kaute auf den rohen Zwiebelringen herum und fand es toll, das Gemüse zu erkunden. Sie, das Bett und unser gesamtes Schlafzimmer stanken danach aber wie ein schäbiger Fast-Food-Imbiss. Kurzzeitig kam uns der Gedanke, ein Schild mit der Aufschrift Sepps Jägerklause aufzuhängen. Das Töchterchen hätte servieren können. Als wir unseren letzten Trumpf, das Nasovin ausspielten, kam es zu einem bedauerlichen Kollateralschaden. Kaum war das komische Tropfteil angesetzt, entschied sich unsere Tochter mit voller Wucht hochzuziehen. Aua, das hatte gesessen und es folgte eine halbstündige Gesangseinlage unseres Babys

Danach probierten wir den Nasensauger erst gar nicht mehr aus und gaben uns geschlagen. Über den Rest der Nacht legen wir daher auch den Mantel des Schweigens. Nur soviel: Es war hart.

Breitschaftsarzt

Nachdem wir die Nacht überstanden hatten ging es der Kleinen gefühlt nochmal eine Nummer schlechter. Da kam einfach die Müdigkeit und der fehlende Schlaf bei uns allen Dreien nochmal mit zu Tragen, denke ich. Wir wussten jetzt wirklich nicht mehr weiter und die Kleine trank auch immer seltener. Also erging das Kommando: Zusammenpacken, Aufsatteln und ab zum Kinderarzt in der Bereitschaftspraxis.

Dort verbrachten wir dann den ganzen Morgen auf dem Klinikgelände mit Warten. Es gab ja tatsächlich auch weitaus schlimmere Fälle als unseren und die wurden selbstverständlich vorgezogen. Unsere Kleine schlief derweil in der Tage und erholte sich erstaunlich gut am einzigen sonnigen Tag der Woche. Als wir dann endlich im Behandlungszimmer waren, nahm uns der Arzt die Ängste. Alles super, nur eine Erkältung. Die Lunge war frei, kein Fieber und nur die Ohren waren leicht entzündet. Alles aber normal für den Zustand und total im Rahmen für Babys. Er empfahl uns exakt die Dinge, die wir oben aufgezählt haben - plus einen Hustensaft. Den wollten wir aber ohnehin nicht, daher ignorierten wir das.

Gut, gut - alles halb so wild also. Tatsächlich ging es ihr an dem Abend schon wieder etwas besser. Wir konnten die folgende Nacht sogar wieder ein paar Stunden am Stück ohne Schreien schlafen. Am darauffolgenden Morgen krabbelte unser tolles Kind wieder. Es gab nur ein einziges Problem: Sie hatte seit sage und schreibe 14 Stunden nichts mehr getrunken. Jeder Versuch das zu ändern, wurde heftig zurückgewiesen. Dennoch war sie aktiv und halbwegs gut gelaunt. Also haben wir ein 247 Service-Nummer unserer Krankenkasse angerufen. Die haben dort eine eigene Nummer für Familie & Kind Themen. Problem erklärt und nach wenigen Minuten kam der Rückruf einer Kinderäztin, die mit der tollsten Frau der Welt über das Trinkproblem sprach. Es erging der Tipp, dass es noch keine Zeit sei, wieder zum Arzt zu fahren. Solange sie aktiv und ausgeglichen wirkte, sei erst einmal alles in Ordnung. Sollte unser Babys jedoch bis Nachmittags noch immer nichts getrunken haben, dann sollten wir ohne Umwege in die Klinik aufbrechen. Keine 30 Minuten später süffelte das herzallerliebste Töchterchen wie ein Weltmeister. Verstehe einer diese sturen Mädels